Holzbau Austria hat neue Konzepte zur urbanen Nachverdichtung mit Holzkonstruktionen vorgestellt. Die Initiative zielt auf einen Baubereich, in dem Brettschichtholz und Brettsperrholz (CLT) strukturelle Vorteile ausspielen: Aufstockungen und Lückenbebauung in bestehenden Stadtquartieren, wo Betonbauweisen an Gewichtsgrenzen stoßen.
Der Verband adressiert damit einen wachsenden Markt. Städtische Verdichtung ohne Flächenverbrauch ist in Österreich und Deutschland politisch gewollt, scheitert bei Bestandsbauten jedoch häufig an der zulässigen Traglast der Fundamente. Holzbauweisen bieten hier ein Gewichtsvorteil von rund 30 bis 40 Prozent gegenüber mineralischen Konstruktionen – bei vergleichbarer Statik und Brandschutzklasse F30 bis F90.
Die von Holzbau Austria präsentierten Ansätze setzen auf vorgefertigte Raummodule und Rahmenkonstruktionen aus BSH, die mit vertretbarem Aufwand an bestehende Gebäude angeschlossen werden können. Entscheidend ist die Knotenpunkt-Ausbildung: Wie wird die neue Holzkonstruktion kraftschlüssig mit der Bestandsdecke verbunden, ohne dass aufwändige Verstärkungen nötig werden? Hier liegt der Knackpunkt für Skalierbarkeit und Wirtschaftlichkeit.
Ein weiterer Fokus liegt auf Lückenbebauung in innerstädtischen Arealen. Schmale Baulücken erfordern eine hohe Vorfertigung und schnelle Montageprozesse, um Störungen im dicht bebauten Umfeld zu minimieren. Holzsysteme erlauben Montagezeiten von wenigen Tagen – ein Vorteil, den Betonfertigteil-Anbieter nur bedingt kompensieren können.
Kritisch bleibt die Frage der Massentauglichkeit. Während Pilotprojekte im Holzbau technisch überzeugen, fehlt es in vielen Regionen an Planern und Handwerksbetrieben mit Erfahrung in statisch anspruchsvollen Holzaufstockungen. Zudem variieren die bauordnungsrechtlichen Rahmenbedingungen für Brandschutz und Schallschutz zwischen den Bundesländern erheblich – ein Hemmnis für standardisierte Systemlösungen.
Die Initiative von Holzbau Austria reiht sich in eine Reihe von Brancheninitiativen ein, die den Holzbau im Klimawandel als CO₂-Senke positionieren. Ob die Konzepte den Sprung vom Leuchtturmprojekt zum Geschäftsmodell schaffen, hängt maßgeblich von der Verfügbarkeit qualifizierter Verarbeiter und der Harmonisierung technischer Vorschriften ab. Hersteller von Brettschichtholz-Systemen wie W. u. J. Derix beobachten die Entwicklung mit Interesse – der Bedarf an tragfähigen Konstruktionen für Aufstockungen steigt.
Verwandte Projekte, etwa die Expansion von Kaufmann Oberholzer AG, zeigen: Holzbau-Fertigungskapazität wird derzeit gezielt ausgebaut, um steigende Nachfrage nach urbanen Holzlösungen bedienen zu können.