Italien hat am 3. Dezember 2024 das überarbeitete „Decreto CAM Edilizia 2025" im Amtsblatt veröffentlicht. Das Dekret legt verbindliche Mindestumweltanforderungen (Criteri Ambientali Minimi, CAM) für öffentliche Bauvergaben fest und verschärft erstmals die Vorgaben für Fenster und Türen sowie deren Materialien, Komponenten und Beschläge. Für Hersteller, Händler und Planer im gesamten europäischen Markt bedeutet das konkreten Handlungsbedarf – insbesondere, wenn sie am italienischen Ausschreibungsmarkt partizipieren wollen.
Die CAM-Kriterien sind für alle öffentlichen Bauaufträge in Italien verpflichtend und umfassen Anforderungen an Materialherkunft, Recyclinganteil, Schadstoffemissionen und Langlebigkeit. Im Fenster- und Türenbereich rücken nun erstmals auch Beschläge, Dichtungen und Oberflächenbehandlungen in den Fokus. Hersteller müssen nachweisen, dass verwendete Lacke, Klebstoffe und Dichtmassen definierte VOC-Grenzwerte einhalten und dass Holzwerkstoffe aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern stammen. Auch die Reparierbarkeit und Demontierbarkeit der Systeme wird bewertet – ein Paradigmenwechsel, der die gesamte Konstruktionslogik von Fenster-Systemen beeinflusst.
Für Beschlag-Spezialisten wie Roto oder Häfele eröffnen die neuen Vorgaben Chancen: Wer modular konstruierte, werkzeuglos austauschbare Lösungen anbietet, verschafft sich einen Wettbewerbsvorteil gegenüber konventionellen, verklebten Systemen. Auch die Integration digitaler Produktdatenpässe – ähnlich den EPDs (Environmental Product Declarations) – wird zunehmend zum Entscheidungskriterium bei Ausschreibungen. Fensterbauer und Tischlereien, die bisher primär auf Preis und U-Wert optimiert haben, müssen ihre Lieferketten neu bewerten und Dokumentationsprozesse aufbauen.
Parallel verschärft das Dekret die Anforderungen an Holzschutzanstriche und Oberflächenbehandlungen. Lösemittelbasierte Systeme werden faktisch ausgeschlossen; wasserbasierte oder naturharzgebundene Alternativen – wie sie etwa Osmo oder Remmers im Portfolio haben – gewinnen an Bedeutung. Auch die Wahl des Rahmenmaterials wird stärker reguliert: Holz-Aluminium-Kombinationen punkten durch hohe Recyclingfähigkeit, reine Kunststoffprofile hingegen müssen einen Mindestanteil an Post-Consumer-Rezyklat nachweisen.
Für deutsche, österreichische und schweizerische Hersteller, die in Italien aktiv sind, bedeutet das Dekret einen klaren Impuls zur Produktanpassung. Wer frühzeitig CAM-konforme Systemlösungen entwickelt, sichert sich Zugang zu einem öffentlichen Bauvolumen von mehreren Milliarden Euro jährlich. Gleichzeitig ist abzusehen, dass ähnliche Regelwerke auch in anderen EU-Staaten folgen werden – das italienische CAM-Dekret könnte so zum Blaupause für eine europaweite Harmonisierung nachhaltiger Bauvergabe werden. Die Integration von Umweltkriterien in technische Spezifikationen ist kein regulatorischer Ballast, sondern ein strategisches Differenzierungsmerkmal für Innenausbau-Akteure, die auf langfristige Marktanteile setzen.