Das Hamburger Möbelunternehmen „more – Zeitlose Möbel" hat seinen Katalog für 2025 vorgelegt. Der Schritt gibt Anlass, die Designstrategie, neue Produktlinien und die Positionierung des Unternehmens im hart umkämpften Premiumsegment für zeitlose Möbel genauer zu betrachten – und zu fragen, wie sich MORE gegen große Mitbewerber behaupten will.
Zeitlose Ästhetik als Markenversprechen
MORE setzt auf eine Designsprache, die bewusst auf modische Schnelllebigkeit verzichtet. Das Label richtet sich an ein Publikum, das langlebige Investitionen im Wohnraum sucht und klare Linienführung sowie hochwertige Materialien schätzt. In einem Markt, in dem große Volumenhersteller wie Nobilia auf Skalierung und schnelle Durchlaufzeiten setzen, verfolgt MORE einen anderen Ansatz: kleinere Serien, kurierte Kollektionen und ein Fokus auf handwerkliche Qualität.
Die Herausforderung für mittelständische Möbelmarken liegt darin, sich gegen die Marktmacht etablierter Anbieter zu behaupten, die über weitreichende Vertriebsnetze und günstigere Einkaufskonditionen verfügen. MORE muss daher über die reine Produktqualität hinaus überzeugen – etwa durch eine konsequente Designidentität, die sich klar von Mainstream-Sortimenten abhebt.
Materialwahl und Verarbeitungsqualität im Fokus
Ein zentraler Bestandteil der Wettbewerbsstrategie ist die Materialauswahl. Während viele Wettbewerber auf kostengünstige Holzwerkstoffe wie MDF oder beschichtete Spanplatten setzen, liegt bei MORE der Schwerpunkt auf Massivholz und hochwertigen Furnieren. Diese Entscheidung hat direkten Einfluss auf die Haptik, Langlebigkeit und Reparaturfähigkeit der Möbel – Eigenschaften, die im Premiumsegment zunehmend wichtiger werden.
Die Verarbeitung erfordert entsprechende Fertigungstiefe: Präzise Kantenbearbeitung, hochwertige Oberflächenveredelung und sorgfältige Montage sind arbeitsintensive Schritte, die sich in der Preisgestaltung niederschlagen. Für Tischlereibetriebe und Innenausbauer, die MORE-Möbel in Projekte einbinden, bedeutet das eine verlässliche Qualität – aber auch die Notwendigkeit, Kunden den Mehrwert gegenüber günstigeren Alternativen zu vermitteln.
Beschlag und Funktionalität: Wo steht MORE im Vergleich?
Im Bereich Beschlagtechnik ist die Zusammenarbeit mit renommierten Herstellern wie Hettich, Julius Blum oder Häfele im Premiumsegment Standard. MORE muss hier zeigen, dass die Funktionalität – etwa bei Schubkastenauszügen, Dämpfungssystemen oder Türscharnieren – auf dem Niveau großer Wettbewerber liegt. Die Wahl der Beschläge signalisiert nicht nur Qualität, sondern auch Servicefreundlichkeit: Standardisierte Systeme erleichtern Austausch und Nachrüstung über die gesamte Produktlebensdauer.
In einem Markt, in dem Smart-Home-Integration und automatisierte Öffnungsmechanismen zunehmend Einzug halten, stellt sich die Frage, wie weit MORE in Richtung Smart-Home-Beschlag gehen wird. Der Katalog 2025 gibt hierauf möglicherweise erste Hinweise – etwa durch die Integration elektrischer Schließsysteme oder App-gesteuerter Beleuchtung in Schranksystemen.
Wettbewerbsumfeld: Zwischen Massenmarkt und Design-Boutiquen
Das strategische Dilemma für Hersteller wie MORE liegt in der Positionierung zwischen zwei Polen: Auf der einen Seite stehen hocheffiziente Großhersteller, die über Economies of Scale preislich kaum zu unterbieten sind. Auf der anderen Seite existieren kleine Design-Studios und Manufakturen, die Einzelstücke oder stark limitierte Serien fertigen und sich über Exklusivität definieren.
MORE bewegt sich in der Mitte – groß genug, um eine breite Kollektion anzubieten, aber klein genug, um Flexibilität und individuelle Anpassungen zu ermöglichen. Diese Position erfordert eine klare Kommunikation des Mehrwerts: Warum soll ein Kunde sich gegen einen günstigeren Volumenhersteller entscheiden – und gleichzeitig auf die Exklusivität einer Manufaktur verzichten?
Ein Vergleich mit ähnlich positionierten Marken zeigt: Erfolgreiche Mittelständler im Möbelsegment setzen auf eine Kombination aus konsistenter Designsprache, verlässlicher Verfügbarkeit und enger Zusammenarbeit mit Fachhandel und Tischlereien. Die Fähigkeit, maßgefertigte Lösungen anzubieten, ohne dabei die Lieferzeiten ins Unermessliche zu strecken, ist ein entscheidender Wettbewerbsvorteil.
Marktentwicklung und strategische Herausforderungen
Der deutsche Möbelmarkt ist in den vergangenen Jahren von mehreren Trends geprägt: steigende Rohstoffkosten, verlängerte Lieferketten und ein verändertes Konsumverhalten, das verstärkt Nachhaltigkeit und Langlebigkeit einfordert. Gleichzeitig hat die Pandemie den Online-Handel beschleunigt und die Erwartungen an digitale Vertriebskanäle erhöht.
Für MORE bedeutet das: Der Katalog 2025 muss nicht nur eine ästhetische Linie präsentieren, sondern auch signalisieren, wie das Unternehmen mit diesen strukturellen Veränderungen umgeht. Lieferfähigkeit, Preistransparenz und die Verfügbarkeit digitaler Planungstools sind heute ebenso relevant wie das Design selbst.
Eine weitere Herausforderung liegt in der Nachwuchsgewinnung: Fachkräftemangel in der Möbelfertigung und im Tischlerhandwerk erschwert die Skalierung. Unternehmen, die auf hohe handwerkliche Qualität setzen, sind besonders betroffen – und müssen in Ausbildung und Prozessoptimierung investieren, um wettbewerbsfähig zu bleiben.
Ausblick: Wie MORE sich differenzieren kann
Der Katalog 2025 wird zeigen, ob MORE in der Lage ist, seine Designidentität weiterzuentwickeln, ohne die Kernpositionierung zu verwässern. Potenzielle Differenzierungsmerkmale könnten sein:
- Materialinnovation: Einsatz nachhaltiger oder recycelter Holzwerkstoffe, die ästhetisch überzeugen und gleichzeitig Umweltstandards erfüllen.
- Modularität: Systeme, die sich über Jahre hinweg erweitern und an veränderte Wohnsituationen anpassen lassen.
- Service-Exzellenz: Kurze Lieferzeiten, transparente Kommunikation und partnerschaftliche Zusammenarbeit mit Tischlereien und Innenarchitekten.
- Digitale Integration: Online-Konfiguratoren, virtuelle Raumplanung und nahtlose Schnittstellen zum Fachhandel.
Die Hamburger Marke hat bereits Erfolge beim Schöner-Wohnen-Award verbuchen können, was die Wahrnehmung im Design-Segment stärkt. Doch Auszeichnungen allein reichen nicht: Entscheidend ist, ob MORE es schafft, eine treue Kundenbasis aufzubauen und gleichzeitig neue Zielgruppen zu erschließen – etwa jüngere Käufer, die Wert auf Nachhaltigkeit und Langlebigkeit legen, aber preissensibel sind.
Fazit: Katalog als strategisches Dokument
Der Katalog 2025 von MORE ist mehr als eine Produktübersicht – er ist ein strategisches Dokument, das die Positionierung des Unternehmens im Premiumsegment verdeutlicht. In einem Markt, der von großen Playern dominiert wird, muss MORE beweisen, dass zeitloses Design, hochwertige Materialien und verlässliche Qualität ein tragfähiges Geschäftsmodell sind.
Für Tischlereibetriebe, Innenarchitekten und Fachhandel ist MORE eine Option, wenn Kunden bereit sind, in langlebige Möbel zu investieren. Die Herausforderung liegt darin, diesen Mehrwert überzeugend zu kommunizieren – und gleichzeitig die operative Exzellenz zu liefern, die im Premiumsegment erwartet wird.
Ob die Strategie aufgeht, wird sich in den kommenden Quartalen zeigen – nicht zuletzt daran, ob MORE in der Lage ist, Marktanteile zu gewinnen, ohne die Marke durch Volumengeschäft zu verwässern.