Der österreichische Holzbauspezialist Binderholz bewirbt gezielt den Einsatz von Holz im öffentlichen und kommunalen Hochbau. Mit einer eigenen Landingpage für Schulen, Kitas, Verwaltungsgebäude und Rathäuser adressiert das Unternehmen ein Segment, das bislang fest in der Hand konventioneller Bauweisen lag. Angesichts des erheblichen Sanierungsstaus bei öffentlichen Liegenschaften und politischer Förderung für nachhaltiges Bauen könnte der Kommunalbau tatsächlich zum Wachstumstreiber für die Holzbranche werden – doch die technischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verlangen eine nüchterne Betrachtung.

Sanierungsstau und politischer Rückenwind für Holz

Kommunen stehen vor einer doppelten Herausforderung: Einerseits müssen bestehende Schulgebäude, Kindertagesstätten und Verwaltungsbauten energetisch saniert werden, andererseits steigt der Bedarf an Neubauten durch demografische Verschiebungen und Urbanisierung. Holzbau wird dabei von politischer Seite zunehmend als klimafreundliche Alternative gefördert, da Brettschichtholz und andere Holzwerkstoffe CO₂ binden statt emittieren. Länder und Bund haben in den letzten Jahren Förderprogramme aufgelegt, die den Holzbau im öffentlichen Bereich explizit bevorzugen – eine Entwicklung, die im Kontext des Holzbaus im Klimawandel an Bedeutung gewinnt.

Binderholz positioniert sich mit seiner Produktpalette – von Konstruktionsvollholz über Brettsperrholz bis hin zu Furnierschichtholz – als Systemanbieter für diese Projekte. Das Unternehmen bietet nicht nur das Material, sondern berät auch in frühen Planungsphasen zu statischen Anforderungen, Brandschutzkonzepten und Schallschutz. Diese ganzheitliche Herangehensweise ist notwendig, denn öffentliche Bauherren sind oft wenig vertraut mit den spezifischen Anforderungen des Holzbaus.

Vorteile von Holz im Kommunalbau: Geschwindigkeit und CO₂-Bilanz

Die Argumente für Holz im Kommunalbau sind auf den ersten Blick überzeugend: Der hohe Vorfertigungsgrad ermöglicht kurze Bauzeiten, was gerade bei Schul- und Kitabauten entscheidend ist. Während ein Massivbau mehrere Monate für Rohbau und Ausbau benötigt, können Holzmodule in wenigen Wochen aufgestellt und angeschlossen werden. Die Trockenbauvariante mit Holz reduziert zudem die Baustellen-Feuchtigkeit und ermöglicht eine schnellere Inbetriebnahme.

Die CO₂-Bilanz ist ein weiteres Verkaufsargument: Ein Kubikmeter verbautes Holz bindet rund eine Tonne CO₂, was die graue Energie des Gebäudes signifikant senkt. Für Kommunen, die eigene Klimaziele verfolgen oder Fördermittel abrufen wollen, ist dies ein wichtiges Kriterium. Zudem lassen sich Holzbauten am Lebensende leichter rückbauen und recyceln als Beton- oder Stahlkonstruktionen – ein Aspekt, der im Kontext von Urban Mining und Kreislaufwirtschaft an Gewicht gewinnt, wie etwa das Urban-Mining-Zertifikat für Schmid Holzbau zeigt.

Ein weiterer Vorteil: Holz schafft eine angenehme Raumatmosphäre. Studien zeigen, dass sichtbare Holzoberflächen in Schulen und Kindergärten das Raumklima positiv beeinflussen und Stress reduzieren können. Dies spielt insbesondere bei pädagogischen Einrichtungen eine Rolle, wo Aufenthaltsqualität und Akustik direkt die Lern- und Arbeitsbedingungen beeinflussen.

Herausforderungen: Brandschutz, Schallschutz und Preis

Doch Holzbau im öffentlichen Sektor hat auch Hürden, die nicht unterschätzt werden dürfen. An erster Stelle steht der Brandschutz: Während Beton und Stahl in der Gebäudeklasse 4 und 5 ohne zusätzliche Maßnahmen verwendet werden können, muss Holz durch Kapselung, Bekleidung oder chemische Behandlung geschützt werden. Dies erhöht den Planungsaufwand und kann die Kostenvorteile des schnellen Aufbaus relativieren. Zwar haben sich in den letzten Jahren standardisierte Lösungen für mehrgeschossige Holzbauten etabliert, doch öffentliche Bauherren sind häufig risikoscheu und bevorzugen erprobte Lösungen.

Der Schallschutz ist eine weitere technische Herausforderung: Holzdecken und -wände sind leichter als Massivbauteile und übertragen Trittschall stärker. Für Schulen und Verwaltungsgebäude, in denen viele Menschen auf engem Raum zusammenkommen, sind aufwändige Entkopplungskonzepte und zusätzliche Dämmschichten nötig. Dies kann die Geschosshohen erhöhen und den Platzbedarf für tragfähige Deckenkonstruktionen steigern.

Ein kritischer Punkt bleibt der Preis: Holzbau ist in der Anschaffung oft teurer als konventioneller Massivbau, insbesondere wenn spezielle Brandschutz- und Schallschutzlösungen gefordert sind. Zwar lassen sich durch kürzere Bauzeiten Finanzierungskosten einsparen, doch viele Kommunen denken in knappen Budgets und bewerten Investitionskosten stärker als Lebenszykluskosten. Die politische Förderung kann hier Anreize setzen, doch sie ist regional sehr unterschiedlich ausgeprägt.

Wettbewerb mit etablierten Anbietern: Derix, Schmid und Modulbau-Anbieter

Binderholz ist nicht allein auf dem Markt: Wettbewerber wie W. u. J. Derix oder Schmid Holzbau haben bereits mehrere öffentliche Projekte realisiert und verfügen über langjährige Erfahrung im mehrgeschossigen Holzbau. Derix etwa hat sich auf Brettsperrholz und Brettschichtholz für anspruchsvolle Tragwerke spezialisiert und kann Referenzen im Schul- und Verwaltungsbau vorweisen. Schmid Holzbau hat jüngst ein Projekt für die Weinbauschule Klosterneuburg umgesetzt und positioniert sich ebenfalls im öffentlichen Sektor.

Hinzu kommen Modulbau-Anbieter, die auf schnelle Container- und Raumsysteme für Schulen und Kitas setzen. Diese sind oft günstiger und flexibler, erfüllen aber nicht immer die ästhetischen und nachhaltigen Ansprüche, die Binderholz mit individuell geplanten Holzbauten verspricht.

Fazit: Potenzial vorhanden, aber kein Selbstläufer

Binderholz adressiert mit seiner Offensive im Kommunalbau ein Segment mit erheblichem Potenzial. Der Sanierungsstau, politische Förderung und steigende Nachfrage nach nachhaltigen Lösungen schaffen günstige Rahmenbedingungen. Doch der Erfolg hängt davon ab, ob das Unternehmen die technischen Herausforderungen – insbesondere Brandschutz, Schallschutz und Wirtschaftlichkeit – in praxistaugliche Standardlösungen übersetzen kann. Öffentliche Bauherren sind risikoscheu und erwarten belastbare Referenzen, klare Kostenkalkulationen und verlässliche Gewährleistungen. Wer hier überzeugt, kann sich einen wachsenden Markt erschließen – wer jedoch nur auf das Image des nachhaltigen Baustoffs setzt, wird gegen etablierte Massivbau-Anbieter und modulare Systeme einen schweren Stand haben.

Die Frage ist letztlich nicht, ob Holz im Kommunalbau eine Rolle spielen wird, sondern welche Anbieter die Balance zwischen Nachhaltigkeit, Wirtschaftlichkeit und bautechnischer Zuverlässigkeit am besten meistern.

Quellen