Die Holzindustrie Schweighofer hat erstmals umfassende Informationen zu ihrem europäischen Produktionsnetz veröffentlicht. Für ein Unternehmen, das zwischen 2015 und 2018 wegen Vorwürfen des illegalen Holzeinschlags in Rumänien in die Schlagzeilen geraten war, ist dieser Schritt zur Transparenz bemerkenswert. Heute, nach mehrjährigen Compliance-Bemühungen und FSC-Zertifizierungen, lohnt ein genauer Blick auf die Standortstrategie: Wo produziert Schweighofer aktuell, welche Kapazitäten sind aktiv, und wo zeigt sich Investitionsbereitschaft oder Rückzug?
Rumänien bleibt das Produktionsherz
Die Produktionsstandorte in Rumänien bilden nach wie vor das Rückgrat des Unternehmens. In Rădăuți, Sebeș und Siret betreibt Schweighofer moderne Sägewerke, die auf Nadelschnittholz und weiterverarbeitete Sortimente spezialisiert sind. Neben dem klassischen Schnittholzgeschäft hat das Unternehmen hier auch Kapazitäten für Holztrocknung, Hobelwerke und die Herstellung von Paletten aufgebaut. Die rumänischen Werke profitieren von kurzen Wegen zu den Rohstoffquellen in den Karpaten – eine logistische Stärke, die in Zeiten volatiler Transportkosten an Bedeutung gewinnt.
Parallel dazu hat Schweighofer Standorte in Österreich und Deutschland im Portfolio. Das österreichische Werk in Ybbs an der Donau konzentriert sich auf hochwertige Schnittholzsortimente und beliefert vor allem den mitteleuropäischen Markt. In Deutschland ist das Unternehmen mit einem kleineren Standort vertreten, der primär für Logistik und Vertrieb genutzt wird. Diese geografische Spreizung ermöglicht es Schweighofer, unterschiedliche Märkte mit unterschiedlichen Qualitätsanforderungen gezielt zu bedienen – von Bauholz für den osteuropäischen Baumarkt bis zu gehobeltem Brettschichtholz-Rohstoff für westeuropäische Weiterverarbeiter.
Investitionen in Compliance, weniger in Expansion
Auffällig ist, dass Schweighofer in den letzten Jahren keine großflächigen Kapazitätserweiterungen angekündigt hat. Stattdessen flossen Investitionen vor allem in Zertifizierungen, Rückverfolgbarkeit und digitale Kontrollsysteme. Das Unternehmen hat sein gesamtes rumänisches Holzeinschlagsgeschäft FSC-zertifizieren lassen und arbeitet mit unabhängigen Audits – ein Kurswechsel, der auf externen Druck von NGOs und Abnehmern zurückgeht. Diese strategische Zurückhaltung bei der Expansion steht im Kontrast zu Wettbewerbern wie Kronospan oder Pollmeier, die in den letzten Jahren neue Werke hochgezogen haben.
Für Einkäufer und Weiterverarbeiter in der Holzbranche ist die Standortstrategie von Schweighofer ein Gradmesser für die Rohstoffsicherheit in Osteuropa. Wer heute Weiterverarbeitungsmengen bei Schweighofer einkauft, bekommt ein Unternehmen mit belasteter Vergangenheit – aber auch mit einer heute nachprüfbaren Lieferkette und einem stabilen Produktionsnetz.